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Weiterlesen...Die Sixtinische Kapelle ist als Gesamtkunstwerk wohl das bedeutendste Meisterwerk der Renaissance-Kunst. Sie vereint einige der berühmtesten Gemälde dieser Epoche und Michelangelos vollendetste Fresken. Doch abgesehen von kunsthistorischen und gelehrten Betrachtungen gibt es einen Grund, warum Sie hierher kommen sollten: Ein Besuch dieses Ortes darf in Ihrer Reiseplanung einfach nicht fehlen.
Denn selbst wenn Sie kein Kunstexperte sind und ein Basrelief nicht von einem Fresko unterscheiden können, werden Sie, sobald Sie diese große, fast kirchengroße Kapelle betreten, sofort verstehen, wofür die Renaissance steht. Schauen Sie sich einfach um: Alles ist da, in den Werken einiger der größten Künstler jener Epoche, und ganz allgemein aller Epochen. Und wir versprechen Ihnen: Sie werden sich dankbar und glücklich fühlen, diese kraftvolle Schönheit mit eigenen Augen erleben zu dürfen.
Die Sixtinische Kapelle hat viele Geschichten zu erzählen, die meisten davon mit einem Künstler verknüpft, der insgesamt rund 12 Jahre hier verbrachte: dem Meister der drei Künste, Michelangelo Buonarroti. Sein Genie, gepaart mit seinem zähen, stolzen, unbeugsamen und aufsässigen Temperament, ist an diesen Wänden und an der Decke förmlich greifbar, reich an Farben, vollkommenen Formen, allegorischer Präzision und ausgewogenen Volumina.
Die Kapelle ist über die Vatikanischen Museen zugänglich. Im Inneren ist Fotografieren untersagt, auch mit dem Handy. Außerdem gilt striktes Schweigegebot, denken Sie also daran, Ihr Telefon auf lautlos zu stellen. Die Öffnungszeiten entsprechen denen der Vatikanischen Museen. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite.

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Im Jahr 1471, als Papst Sixtus IV. endlich aus dem französischen Exil nach Rom zurückgekehrt war, entschied er sich zu umfangreichen Renovierungsarbeiten, denn der päpstliche Besitz hatte während der Abwesenheit der Autoritäten stark gelitten. An der Stelle, an der einst die Cappella Magna (große Kapelle) stand, wollte Sixtus eine neue errichten, die nach ihm benannt wurde ("Sixtinisch" = "des Sixtus"). 1482 war die neue Kapelle fertiggestellt und mit prächtigen Wandmalereien und Dekorationen von Künstlern wie Perugino, Botticelli und Ghirlandaio ausgestattet.
Am 9. August 1493 fand in der Sixtinischen Kapelle die erste Messe statt, zu Ehren des Mariä-Himmelfahrt-Festes. Mit dieser Zeremonie wurde die Kapelle der Jungfrau Maria gewidmet und geweiht.
Sixtus IV. ist für sein ungestümes und despotisches Temperament bekannt, aber auch für seine kluge Finanzpolitik und seine politischen Reformen. Er trug wesentlich zur Verbesserung der Lebensbedingungen in der Stadt bei. Zudem war er ein visionärer und großzügiger Förderer, der während der glanzvollen römischen Renaissance zahlreiche Künstler finanzierte.

Der Papst betrachtete Michelangelo als einen der größten Künstler seiner Zeit und wollte, dass er sein Grabmal errichte, ein Monument von schier gewaltigen Ausmaßen. Der Künstler reiste nach Carrara, der Heimat der Marmorbrüche, und verbrachte dort rund 8 Monate damit, sorgfältig die richtigen Steine auszuwählen. Als er jedoch nach Rom zurückkehrte, musste er feststellen, dass der Papst das Mausoleum-Projekt zurückgestellt hatte, da er ganz in Bramantes Plänen für den Umbau des Petersdoms aufging.
Das war der Beginn einer stürmischen Beziehung. Als Sixtus IV. ihn also bat, die Decke der Kapelle zu bemalen, lehnte er ab und erklärte, er sei Bildhauer und kein Maler. Michelangelo fügte hinzu, man solle doch besser Raffael mit dieser Aufgabe betrauen. Der Papst blieb hartnäckig (wofür wir ihm im Grunde dankbar sein sollten), doch Michelangelo, der damals noch in Florenz lebte, zeigte sich unnachgiebig. Erst als seine Weigerung einen diplomatischen Zwischenfall auszulösen drohte, ließ er sich schließlich überreden, nach Rom zu reisen und die titanische Aufgabe widerwillig anzunehmen.
Als die Arbeiten 1508 begannen, besuchte der Papst Michelangelo fast täglich, um den Fortschritt der Fresken zu prüfen. Dennoch war das Verhältnis zwischen den beiden nie einfach. Trotzdem verschmolzen das unbestrittene Genie des Künstlers und die weitsichtige Haltung des Papstes zu einem der größten Meisterwerke, die je von Menschenhand geschaffen wurden.
Zur Vollständigkeit sei erwähnt: Eine verkleinerte Fassung von Sixtus’ Grabmal wurde erst nach dem Tod des Papstes vollendet. Sie befindet sich in San Pietro in Vincoli und zeigt die beeindruckende Moses-Statue.
Die Sixtinische Kapelle zeichnet eine Art "spirituelle Reise" der Menschheit nach, die mit der Schöpfung beginnt und mit dem Jüngsten Gericht endet. Bevor wir kurz auf Michelangelos gewaltige Leistung eingehen, sei erwähnt, dass die Kapelle auch von Künstlern wie Ghirlandaio, Perugino, Botticelli und Pinturicchio ausgestaltet wurde.
Michelangelos Arbeit war notwendig, um die Decke wiederherzustellen, die ursprünglich als Sternenhimmel bemalt war, jedoch durch einen großen Riss (Folge struktureller Probleme) schwer beschädigt worden war.
DIE GENESIS
Die zentralen Deckenfelder zeigen Szenen aus dem Buch Genesis, die Schöpfung und den Sündenfall. An den Seiten sind die großen Propheten zu sehen, und in den Lünetten Szenen aus der Geschichte des hebräischen Volkes. Insgesamt gibt es mehr als 300 Figuren, eine erstaunliche Zahl, wenn man bedenkt, dass Michelangelo ursprünglich beauftragt wurde, nur 12 zu malen.
"Die Erschaffung Adams", wo Gott den Finger des ersten Menschen berührt und ihm den Atem des Lebens schenkt, gilt als eines der berühmtesten Fresken der Welt: Welch ein Erlebnis, es endlich mit eigenen Augen vor sich zu haben! Je näher die Fresken dem Altar kommen, desto dramatischer werden sie, mit den drei Schöpfungsszenen und dem gewaltigen Gemälde des Jona, das seine ganze prophetische Kraft entfaltet.
DAS JÜNGSTE GERICHT
Als Michelangelo die Altarwand bemalte (zwischen 1536 und 1541), waren mehr als 20 Jahre seit seinem ersten Eingriff in der Kapelle vergangen. Seine Kunst hatte sich weiterentwickelt, war gequälter geworden und stärker auf Spiritualität ausgerichtet. Die Plünderung Roms im Jahr 1527 durch eine große Zahl spanischer und Landsknecht-Truppen im Auftrag des Heiligen Römischen Reiches hatte die Stadt gedemütigt und in die Knie gezwungen. Die Truppen verübten Vandalismus und Raubzüge und brachten zudem eine verheerende Pest mit sich. Michelangelo war von diesen Ereignissen tief erschüttert, und seine Kunst spiegelt all diese aufgewühlten Gefühle wider.
Irgendwann überdachte der Künstler seine gesamte bisherige Auffassung von Kunst. Im Jüngsten Gericht wird diese innere Qual deutlich sichtbar: Selbst die Seligen wirken erschrocken, denn die göttliche Gerechtigkeit ist unergründlich. Allein Gott richtet über das menschliche Sein und Handeln. Doch keine Sorge: Der menschliche Geist ist alles andere als furchtsam. Auch wenn sich die Menschen ihrer Sünden bewusst sind, stehen sie heroisch vor der göttlichen Autorität.
Betrachtet man das gesamte Fresko, erkennt man eine "Wellenbewegung": Auf der rechten Seite scheinen alle Figuren nach unten zu streben, während sie auf der linken Seite aufsteigen. Der visuelle Effekt erinnert an einen Wirbel, der von der Geste des Herrn ausgeht, der ganz oben sitzt.
Das Fresko wurde ebenso gelobt wie kritisiert, wegen seiner zahlreichen nackten Figuren. Nur wenige Tage vor Michelangelos Tod, im Jahr 1564, entschied eine hochrangige Kommission der vatikanischen Kirche, die Nacktheit auf dem Fresko mit gemalten Tüchern zu verdecken. Die Aufgabe übernahm Daniele da Volterra, genannt Braghettone (wörtlich: "der Hosenmacher"). Zum Glück verhinderte dieser unpopuläre und viel kritisierte Eingriff die Zerstörung der Fresken, die aufgrund neuer kirchlicher Vorschriften gegen "religiöse Nacktheit" in Kunstwerken sonst gedroht hätte.


Das Deckengewölbe der Kapelle hat eine Gesamtfläche von etwa 500 Quadratmetern. Der Künstler bemalte es in rund 4 Jahren, zwischen 1508 und 1512, größtenteils in Eigenarbeit. Zeitweise stellte er Assistenten ein, entließ sie jedoch bald wieder oder betraute sie nur mit einfachsten Aufgaben, wie dem Mischen der Farben, da er mit ihren Fähigkeiten unzufrieden war. Michelangelo arbeitete auf einem Gerüst, das er selbst entworfen hatte. Er malte sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Haltung. Er beschrieb die Arbeitsbedingungen als äußerst hart, da er unter ständigen Rücken- und Nackenschmerzen litt. Trotzdem gelang es ihm, dieses Meisterwerk in vergleichsweise kurzer Zeit zu vollenden.
Als er 1536 mit dem Jüngsten Gericht begann, war der Künstler bereits sechzig Jahre alt. Die Aufgabe war ungeheuer anspruchsvoll, und ein Detail im Fresko selbst bezeugt dies. Direkt unter Jesus Christus befindet sich die Figur des heiligen Bartholomäus, ein Märtyrer, der gefoltert und lebend gehäutet wurde. Im Fresko hält der Heilige seine eigene Haut in der Hand. Interessant ist, dass laut mehreren Studien die Gesichtszüge auf dieser Haut ein Selbstbildnis Michelangelos darstellen, ein Hinweis darauf, wie sehr ihn seine künstlerische Arbeit langsam auszehrte.
Allen Widrigkeiten zum Trotz erlebte Michelangelo noch viele weitere Jahre außergewöhnlicher Schaffenskraft. Als er 1564 starb, wurde er mit Ehren gewürdigt, die sonst einem König vorbehalten waren. Er ist in Florenz begraben, in der Kirche Santa Croce. Seine sterblichen Überreste ruhen unter einem Monument, das von einem weiteren großen Künstler seiner Zeit, Vasari, entworfen wurde und mit drei trauernden Statuen verziert ist, die die drei Künste symbolisieren: Bildhauerei, Architektur und Malerei.
Die Kraft seiner Kunst, die menschliche Figur darzustellen, führte sogar zur Prägung eines neuen italienischen Wortes: terribilità. Es bezeichnet jene unglaublich dramatische Ausdruckskraft seines Stils, die besonders deutlich in den Gesichtszügen seines berühmten Moses zum Ausdruck kommt.
In der Kapelle findet das Konklave statt, die Versammlung aller Kardinäle aus der ganzen Welt. Sie kommen hier zusammen, sobald ein neuer Papst gewählt werden muss. Solange sich die hochrangigen Kirchenmänner in der Kapelle befinden, darf aus Geheimhaltungsgründen niemand hinein oder heraus. Sie sind buchstäblich eingeschlossen, daher der Name "Konklave", was "mit dem Schlüssel" (cum clave) bedeutet.
Die Sixtinische Kapelle ist zudem der Schauplatz für wichtige Ereignisse im päpstlichen Kalender. Ein ständiger Chor führt hier Musik auf, die eigens unter Berücksichtigung der Beschaffenheit und Größe der Kapelle komponiert wurde. Das wohl berühmteste Stück ist das Miserere von Gregorio Allegri.
Trotz nahezu ständiger Pflege und Wartung waren die Fresken nach fast fünf Jahrhunderten von einer dicken Staubschicht bedeckt, die teilweise auf Umweltverschmutzung zurückzuführen war. Zudem hatten sich im Gewölbe kleine Risse gebildet. Um die strukturellen Probleme der Wände zu beheben und den Fresken ihren ursprünglichen Glanz und ihre Lebendigkeit zurückzugeben, war eine umfassende Restaurierung notwendig.
Diese groß angelegte Maßnahme, an der zahlreiche Experten beteiligt waren, begann 1980 und dauerte etwa 15 Jahre bis zur vollständigen Fertigstellung. Finanziert wurde sie größtenteils von einem japanischen Fernsehnetzwerk, das sich im Gegenzug die Rechte sicherte, während und unmittelbar nach der "Verwandlung" Bilder der Kapelle zu zeigen. Sie gilt weithin als die komplizierteste Restaurierung der Kunstgeschichte und brachte eine erstaunlich lebendige Farbgestaltung ans Licht. Ein amüsantes Detail: Die Restaurierungsarbeiten dauerten länger, als Michelangelo selbst benötigte, um die gesamte Kapelle zu bemalen.
Papst Johannes Paul II. würdigte die feierliche Wiedereröffnung mit folgenden Worten: "Es wäre schwer, einen eloquenteren visuellen Kommentar zu diesem biblischen Bild zu finden als die Sixtinische Kapelle, deren volle Pracht wir dank der kürzlich abgeschlossenen Restaurierungsarbeiten wieder genießen können. Gläubige aus aller Welt teilen mit uns diese Freude. Dieser Ort ist den Gläubigen nicht nur wegen der Meisterwerke, die er beherbergt, teuer, sondern auch wegen der Rolle, die er im Leben der Kirche spielt."
Der Name dieses Platzes stammt von der Pappel, einem sommergrünen Baum aus der Familie der Weiden. Der Platz wurde zwischen 1811 und 1822 von Guiseppe Valadier entworfen.
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